#1: Alternativen zum Valsa Baumsterben
Posted on 2006-07-03 09:46:18 by Bernhard Albert
Liebe Leute,
ich wüßte gerne, ob ihr Alternativen zum Valsa Baumsterben kennt.
Sprich andere Erkrankungen, die sich von der Art der Nekrosen ähnlich
äußern, aber in irgendeiner sinnvollen Weise zu behandeln sind. Bei
meinen Zwetschgen - ja bei allen dreien, ist die Rinde an einigen
Stellen deutlich eingefallen. An diesen Stellen gibt es deutlichen
Gummifluß. Entfernt man die Rinde, findet man abgestorbene Bereiche,
die von (scheinbar) gesundem Kalus umgeben sind - angeschnittene
Leitungsbahnen sind teilweise braun verfärbt. Zwischen Holz und Kalus
ist eine dunkle Schicht. Die typische Krötenhaut der Valsakrankheit
hat sich aber nirgendwo gebildet - ich hatte schon im letzten Jahr
eine entsprechende Infektion und habe das sehr genau beobachtet. Die
Erkrankung, so es denn eine ist, tritt vor allem dort auf, wo bei der
Baumpflege Ästchen herausgeschnitten wurden. Ich versorge die Wunden
aber immer sofort mit einem Fungizid und reinige/desinfiziere zwischen
den Bäumen meine Werkzeuge.
Jetzt hoffe ich natürlich, dass ich die Bäume, die alle drei nach zwei
bis fünf Jahren Standzeit gerade in den Ertrag gehen, bzw. endlich
eine lohnende Menge an Zwetschen produzieren, nicht komplett ersetzen
muss. Es handelt sich um die Sorten Wangenheimer Frühzwetschge,
Lützelsacher Frühzwetschge und Hauszwetschge.
Falls irgendwer eine Liste hat, auf der besondere Anfälligkeiten für
Krankheiten jenseits von Monilla und Scharka vermerkt sind, würde ich
mich über einen Hinweis freuen. Mit Angaben über Anfälligkeit für
Monilla und Scharka bin ich durch die Sortenliste des BSA schon gut
versorgt.
Gruß
Bernhard
--
Ihr erreicht mich privat und persönlich
schneller und zuverlässiger unter
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#2: Re: Alternativen zum Valsa Baumsterben
Posted on 2006-07-03 12:51:49 by Gerhard Zahn
Am Mon, 3 Jul 2006 09:46:18 +0200 schrieb Bernhard Albert:
Hallo Bernhard,
>Liebe Leute,
>
>ich wüßte gerne, ob ihr Alternativen zum Valsa Baumsterben kennt.
>Sprich andere Erkrankungen, die sich von der Art der Nekrosen ähnlich
>äußern, aber in irgendeiner sinnvollen Weise zu behandeln sind. Bei
>meinen Zwetschgen - ja bei allen dreien, ist die Rinde an einigen
>Stellen deutlich eingefallen. An diesen Stellen gibt es deutlichen
>Gummifluß. Entfernt man die Rinde, findet man abgestorbene Bereiche,
>die von (scheinbar) gesundem Kalus umgeben sind - angeschnittene
>Leitungsbahnen sind teilweise braun verfärbt. Zwischen Holz und Kalus
>ist eine dunkle Schicht.
da finde ich, dass der Valsa vergleichbare Schäden und Symptome
gebietsweise auch durch Phomopsis verursacht werden.
>Die typische Krötenhaut der Valsakrankheit
>hat sich aber nirgendwo gebildet - ich hatte schon im letzten Jahr
>eine entsprechende Infektion und habe das sehr genau beobachtet.
Die Krötenhaut ist ja auf die warzenförmigen Sporenlager des Pilzes
zurückzuführen.
Sporen werden aber vor allem im Herbst und Winter gebildet, so dass
man sie wohl jetzt vergeblich sucht.
>Die
>Erkrankung, so es denn eine ist, tritt vor allem dort auf, wo bei der
>Baumpflege Ästchen herausgeschnitten wurden. Ich versorge die Wunden
>aber immer sofort mit einem Fungizid und reinige/desinfiziere zwischen
>den Bäumen meine Werkzeuge.
Gegen Valsa werden Blattfallspritzungen mit Kupfer empfohlen, im
Privatgarten ist das natürlich sinnigerweise nicht gestattet. :-(
>Jetzt hoffe ich natürlich, dass ich die Bäume, die alle drei nach zwei
>bis fünf Jahren Standzeit gerade in den Ertrag gehen, bzw. endlich
>eine lohnende Menge an Zwetschen produzieren, nicht komplett ersetzen
>muss. Es handelt sich um die Sorten Wangenheimer Frühzwetschge,
>Lützelsacher Frühzwetschge und Hauszwetschge.
Eigentlich werden vom Steinobst in erster Linie Süßkirschen und
Aprikosen von Valsa heimgesucht, aber es gibt reichlich Ausnahmen.
>Falls irgendwer eine Liste hat, auf der besondere Anfälligkeiten für
>Krankheiten jenseits von Monilla und Scharka vermerkt sind, würde ich
>mich über einen Hinweis freuen. Mit Angaben über Anfälligkeit für
>Monilla und Scharka bin ich durch die Sortenliste des BSA schon gut
>versorgt.
Vielleicht prüfst du auch mal auf Phomopsis-Rindenbrand:
"Mit der Valsakrankheit vergleichbare Schäden rufen Schadpilze aus der
Gattung Phomopsis an Stein- und Kernobst hervor. Die Art Phomopsis
mali dringt in die Zweige über Blattnarben, Knospen und Ansatzstellen
von Kurztrieben ein. Zu Rindeninfektionen des Stamms kommt es in der
Regel nur über Rindenrisse und andere Wunden während der
Vegetationsruhe.
Symptome: Um den Infektionsort sinkt die Rinde relativ gleichmäßig ein
und verfärbt sich violett bis rotbraun, sodass man den Eindruck eines
Schildes hat. Innerhalb der Nekrosen befindliche Knospen und
Kurztriebe sind abgestorben, das Holz unter den Rindenschildern ist
dunkelbraun gefärbt. An kleineren Schadstellen kommt es zu
Überwallungen, ansonsten reißt die Rinde ein und wird großflächig
abgestoßen. Bei Prunus-Arten geht die Infektion meist mit starkem
Gummifluss einher.
Im Bereich der Nekrosen kommt es besonders im Frühjahr zu einer
starken Bildung von Fruchtkörpern (Pyknidien), die denen nach einer
ValsaInfektion gleichen. In den Fruchtkörpern findet vor allem im
Frühjahr und Sommer eine massenhafte Sporenproduktion statt, die bei
feuchtem Wetter in Ranken entlassen werden. Relevante Infektionen der
Obstbäume erfolgen jedoch erst im Herbst und Winter. Durch
Überwallungsprozesse wird die Infektion abgekapselt, sodass sich die
Nekrose meist nur bis zu Vegetationsbeginn ausbreitet und nicht mehr
in den Folgejahren. Nur wenn sehr viele Rindenschilder vorhanden sind
und die Triebe bzw. der Stamm sehr dünn sind, kommt es zum Trieb- bzw.
Baumsterben."
Beste Grüße G e r h a r d
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#3: Re: Alternativen zum Valsa Baumsterben
Posted on 2006-07-03 13:53:41 by Bernhard Albert
Hallo Gerhard,
> Die Krötenhaut ist ja auf die warzenförmigen Sporenlager des Pilzes
> zurückzuführen. Sporen werden aber vor allem im Herbst und Winter
> gebildet, so dass man sie wohl jetzt vergeblich sucht.
Deshalb habe ich auch erst jetzt angefragt, weil erst mal eine
Jahresrunde auf das Erscheinen der Sporenlager warten wollte.
Tatsächlich gibt es aber gar keine Sporenlager - weder im
Herbst/Winter noch im Frühjahr und leider schreitet der Prozess voran
und es gab dieses Jahr neue Infektionsherde. Die Witterung hat es den
Zwetschgen hier aber auch sehr schwer gemacht. Nach einer
Überversorgung mit Wasser bis Ende Mai gibt es jetzt eine
Trockenperiode, wie wir sie in Jahren nicht hatten.
Interessanterweise haben die Kirschen rundum keinerlei Symptome - es
betrifft nur Zwetschgen, Reneclauden und Mirabellen. Betroffen sind
vor allem junge und sehr junge Bäume. Ich habe nur einen einzigen
Hinweis darauf gefunden, dass Bäume die Valsakrankheit besiegen
können - hast Du entsprechende Hinweise? Ich bin jetzt doch sehr am
Überlegen, was ich mit den Bäumen machen soll. Wenn es am Schluss nur
Schäden durch Gummifluß sind, die es ja auch geben soll und bei denen
nur unter ungünstigen Umständen Harz zwischen Holz und Kalus gedrückt
wird, was zu Ablösungserscheinungen und Rindenschädigungen führt, dann
wäre es ja absurd die Bäume zu roden. Allerdings muss schon irgendeine
Infektion beteiligt sein.
In jedem Fall werde ich sicher irgendetwas finden, gegen dass ich in
Zukunft zu gegebener Zeit mit Kupferspritzmitteln vorgehen muss.
Vielleicht sind ja sehr sehr späte Spritzungen gegen Pilzinfektionen
an Kürbissen zulässig. Die strecken ihre Ranken gerne mal unter die
Zwetschgen.
Gruß
Bernhard
--
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